Kennzeichnung von Motorölen
Jeder Autobesitzer sollte in der Lage sein, die Kennzeichnungen auf der Motorölverpackung zu entschlüsseln. Denn die Voraussetzung für einen langlebigen und stabilen Motorlauf ist die Verwendung von hochwertigem Motoröl, dessen Eigenschaften genau den Anforderungen des Fahrzeugherstellers entsprechen. Diese strengen Vorgaben sind notwendig, da Öle in einem weiten Temperaturbereich und unter hohem Druck arbeiten müssen.

Die Kennzeichnung des Motoröls enthält alle notwendigen Informationen für die richtige Wahl – man muss sie nur lesen können.
Um die Auswahl des richtigen Öls für einen bestimmten Motortyp anhand der erforderlichen Eigenschaften und Aufgaben zu vereinfachen, wurde eine Reihe internationaler Standards entwickelt. Globale Ölhersteller verwenden folgende anerkannte Klassifikationen:
- SAE;
- API;
- ACEA;
- ILSAC;
- GOST (hauptsächlich in Osteuropa relevant).
Jede dieser Kennzeichnungen hat ihre Geschichte und Marktbedeutung. Wenn man ihre Bedeutung versteht, fällt die Orientierung bei der Wahl des Schmierstoffs leichter. In Europa und Deutschland sind vor allem die Klassifikationen ACEA und API sowie die SAE-Viskosität von Bedeutung.
Es werden zwei Hauptklassen von Motorölen unterschieden, abhängig vom Motortyp: für Benzin- oder Dieselmotoren, wobei heute Universalöle die Regel sind. Der Verwendungszweck ist immer auf dem Etikett angegeben. Jedes Motoröl besteht aus einer Basis (Grundöl) und einem Paket aus Additiven. Das Grundöl wird entweder aus Erdöl gewonnen oder synthetisch hergestellt. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung unterteilt man sie in:
- Mineralöle;
- Teilsynthetische Öle;
- Synthetische Öle (Vollsynthetisch oder HC-Synthese).
Auf dem Kanister ist neben anderen Markierungen auch immer die chemische Zusammensetzung (Basis) angegeben.
Was auf dem Etikett eines Ölkanisters stehen kann:
- Viskositätsklasse nach SAE.
- Spezifikationen nach API und ACEA.
- Herstellerfreigaben (OEM-Freigaben).
- Barcode.
- Chargennummer und Produktionsdatum.
- Marketing-Bezeichnungen (keine offiziellen Standards, sondern Verkaufsargumente, z. B. „Fully Synthetic“, „HC-Technology“, „mit intelligenten Molekülen“ usw.).
- Spezielle Kategorien von Motorölen.
Damit Sie genau das Öl kaufen, das am besten zu Ihrem Motor passt, entschlüsseln wir hier die wichtigsten Kennzeichnungen.

Motoröl-Kennzeichnung nach SAE
Die wichtigste Eigenschaft, die auf dem Kanister angegeben ist, ist der Viskositätsindex nach der SAE-Klassifikation (Society of Automotive Engineers). Dies ist ein internationaler Standard, der die Zähflüssigkeit von Ölen bei hohen und niedrigen Temperaturen regelt.
Gemäß dem SAE-Standard werden Öle im Format XW-Y gekennzeichnet, wobei X und Y Zahlen sind. Die erste Zahl ist ein Indikator für die Mindesttemperatur, bei der das Öl noch gut durch die Kanäle gepumpt werden kann und der Motor sich problemlos drehen lässt. Der Buchstabe W steht für das englische Wort „Winter“.
| Werte | 0W | 5W | 10W | 15W | 20W | 25W |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kaltstart (Drehwiderstand) | -30°С | -25°С | -20°С | -15°С | -10°С | -5°С |
| Pumpbarkeit | -40°С | -35°С | -30°С | -25°С | -20°С | -15°С |
Die zweite Zahl gibt die Viskosität des Öls bei Betriebstemperatur des Motors (+100…+150°C) an. Je höher die Zahl, desto dickflüssiger bleibt der Schmierfilm bei Hitze.
| 5W — 30 | von -25 bis +20 °C (Außentemperatur) |
| 5W — 40 | von -25 bis +35 °C |
| 10W — 30 | von -20 bis +30 °C |
| 10W — 40 | von -20 bis +35 °C |
| 15W — 30 | von -15 bis +35 °C |
| 15W — 40 | von -15 bis +45 °C |
| 20W — 40 | von -10 bis +45 °C |
| 20W — 50 | von -10 bis +45 °C und höher |
| SAE 30 | von 0 bis +45 °C |
Öle werden daher je nach Viskositätsverhalten in drei Arten unterteilt:

- Winteröle: Sie sind dünnflüssiger und gewährleisten einen problemlosen Motorstart in der kalten Jahreszeit. In der SAE-Kennzeichnung ist der Buchstabe „W“ vorhanden (z. B. 0W, 5W, 10W usw.). Bei heißem Wetter kann ein reines Winteröl jedoch oft keinen stabilen Schmierfilm garantieren.
- Sommeröle: Diese werden (heute sehr selten) verwendet, wenn die Temperatur nicht unter 0°C fällt. Ihre kinematische Viskosität ist hoch genug, um bei Hitze eine gute Schmierung zu gewährleisten. Bei Minusgraden wäre ein Start damit kaum möglich. Sommeröle werden nur mit einer Zahl ohne Buchstaben gekennzeichnet (z. B. SAE 20, 30, 40).
- Mehrbereichsöle (Ganzjahresöle): Dies sind die heute gebräuchlichsten Öle. Sie funktionieren sowohl bei Minus- als auch bei Plusgraden. Solche Öle haben eine doppelte Kennzeichnung (Beispiel: SAE 5W-30 oder 15W-40).
Die Viskosität ist das erste und wichtigste Element der Klassifizierung, aber nicht das einzige – Öl nur nach der Viskosität auszuwählen, ist falsch. Es ist immer notwendig, das richtige Verhältnis von Eigenschaften und Betriebsbedingungen zu wählen.
Neben der Viskosität besitzt jedes Öl ein Paket an weiteren Eigenschaften (Reinigungswirkung, Oxidationsbeständigkeit, Verschleißschutz, Neigung zu Ablagerungen, Korrosionsschutz usw.), die seinen Anwendungsbereich bestimmen.
API-Klassifikation für Motoröle
In der Klassifikation des American Petroleum Institute (API) sind die Hauptkriterien: Motortyp, Betriebsart, Leistungseigenschaften und Baujahr. Der Standard unterteilt Öle in zwei Hauptkategorien:
- Kategorie „S“ (Service) – für Benzinmotoren;
- Kategorie „C“ (Commercial) – für Dieselmotoren (Nutzfahrzeuge).
Wie entschlüsselt man die API-Kennzeichnung?
Die Bezeichnung beginnt, wie erwähnt, mit S oder C. Darauf folgt ein weiterer Buchstabe, der das Qualitätsniveau und die Aktualität des Standards angibt.
Die Entschlüsselung funktioniert folgendermaßen:
- EC (Energy Conserving) direkt nach API kennzeichnet kraftstoffsparende Öle;
- Römische Ziffern danach können den Grad der Kraftstoffeinsparung angeben;
- Buchstabe S steht für Benzinmotoren;
- Buchstabe C steht für Dieselmotoren;
- Der zweite Buchstabe gibt die Qualitätsstufe an, aufsteigend von A (niedrigster, veralteter Standard) bis S (aktuellster Standard). Je weiter hinten der Buchstabe im Alphabet, desto moderner und hochwertiger ist das Öl;
- Universalöle tragen beide Kennzeichnungen, getrennt durch einen Schrägstrich (z. B. API SN/CF);
- Manche Diesel-Klassifikationen unterscheiden zwischen Zweitakt- (Ziffer 2 am Ende) und Viertaktmotoren (Ziffer 4).
Die Kategorie „S“ umfasst derzeit viele Klassen, von denen viele veraltet sind. Hier die relevantesten:
| Einführungsjahr | 1980 | 1989 | 1994 | 1997 | 2001 | 2004 | 2010 | 2020 |
| API für Benzinmotoren | SF | SG | SH | SJ | SL | SM | SN | SP |
Die Kategorie „C“ wird heute oft bei Nutzfahrzeugen betrachtet. Hier einige Beispiele:
| Einführungsjahr | 1983 | 1990 | 1994 | 1998 | 2004 | 2010 |
| API für Dieselmotoren | CE | CF-4 | CF, CF-2, CG-4 | CH-4 | CI-4 | CJ-4 |
Motoröle, die die API/SAE-Prüfungen bestanden haben, tragen oft das runde API-Donut-Symbol auf dem Etikett. Oben steht „API Service“, in der Mitte die SAE-Viskosität und unten ggf. der Hinweis auf Kraftstoffersparnis („Energy Conserving“).

Die Verwendung der korrekten Spezifikation reduziert Verschleiß und Pannenrisiko, senkt den Öl- und Kraftstoffverbrauch, mindert Geräusche und verlängert die Lebensdauer von Katalysatoren und Abgasreinigungssystemen.
Klassifikationen ACEA, GOST, ILSAC und deren Bedeutung
ACEA-Klassifikation (Europa)
Die ACEA-Klassifikation wurde vom Verband der Europäischen Automobilhersteller entwickelt. Sie ist für europäische Fahrzeuge oft relevanter als API. Sie definiert Eigenschaften, Verwendungszweck und Kategorie.
Der aktuelle Standard unterteilt Öle in Klassen für Pkw und Lkw:
- A/B – Benzin- und Dieselmotoren für Pkw und leichte Transporter (A1/B1, A3/B3, A3/B4, A5/B5);
- C – Low-SAPS-Öle für Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlung (z. B. Dieselpartikelfilter). Wichtig für moderne Autos (C1, C2, C3, C4, C5);
- E – Dieselmotoren für schwere Nutzfahrzeuge (E4, E6, E7, E9).

Bei ACEA folgt auf den Buchstaben (Klasse) eine Zahl, die das Leistungsniveau angibt. In Europa sollten Sie primär auf diese Angaben oder die Herstellerfreigabe achten.
GOST-Klassifikation (Regionale Standards)
In einigen Regionen, insbesondere in Osteuropa und Russland, existieren nationale Standards wie GOST (z. B. GOST 17479.1-85). Diese sind für den westeuropäischen Markt weniger relevant, können aber auf Importprodukten auftauchen.
- Sie unterteilen ebenfalls nach kinematischer Viskosität (ähnlich SAE).
- Sie gruppieren nach Leistungseigenschaften (ähnlich API).
Nach Viskosität gibt es dort Klassen für Sommer-, Winter- und Ganzjahresöle. Je höher die Zahl, desto höher die Viskosität.
Nach Anwendungsbereich werden Gruppen von „A“ bis „E“ unterschieden, wobei Index „1“ für Benzin und „2“ für Diesel steht. In Deutschland können Sie diese Angaben meist ignorieren und sich auf ACEA/API konzentrieren.
ILSAC-Klassifikation (Asien/USA)
ILSAC ist eine Kooperation zwischen japanischen und amerikanischen Herstellern. Die Standards (GF-1 bis GF-6) ähneln den API-Klassen, legen aber einen stärkeren Fokus auf Energieeffizienz (Kraftstoffersparnis). Diese Klassifikation ist besonders für japanische und koreanische Fahrzeuge relevant.
Vergleich ILSAC zu API:
- GF-1 bis GF-3 (veraltet) — entsprachen API SH, SJ und SL.
- ILSAC GF-4 und GF-5 — entsprechen API SM und SN.
- ILSAC GF-6 — entspricht dem neuen Standard API SP.
Zusätzlich gibt es für japanische Dieselfahrzeuge die JASO-Klassifikation (z. B. JASO DL-1 für leichte Diesel mit DPF).
Herstellerfreigaben und Zertifizierungen
Die Klassifikationen von API und ACEA definieren Mindestanforderungen. Da Motoren verschiedener Marken (VW, BMW, Mercedes etc.) jedoch unterschiedlich konstruiert sind, reicht dies oft nicht aus. Viele große Motorenhersteller haben eigene Freigabesysteme entwickelt, die die ACEA-Normen ergänzen und verschärfen. Diese basieren auf eigenen Langzeittests. In der Betriebsanleitung Ihres Autos finden Sie diese spezifischen Anforderungen (z. B. „VW 507 00“). Diese Nummer steht auch auf dem Ölkanister. Das ist das sicherste Kriterium für die Wahl.
Hier entschlüsseln wir die gängigsten Freigaben, die Sie im Handel finden.
Freigaben des VAG-Konzerns (VW, Audi, Seat, Škoda)
VW 502.00 ist ein Standard für Benziner (Festintervall), oft 5W-40. VW 505.00 gilt für ältere Diesel ohne Pumpe-Düse.
Wichtige moderne Normen: VW 504.00 (Benzin) und VW 507.00 (Diesel mit Partikelfilter). Diese sind oft als „LongLife III“ Öle (5W-30 oder 0W-30) bekannt und decken fast alle neueren Fahrzeuge ab.
Ältere Normen wie VW 505.01 waren speziell für Pumpe-Düse-Dieselmotoren (ohne LongLife) wichtig. Für sehr neue Motoren gibt es inzwischen auch dünnflüssigere Öle wie VW 508.00 / 509.00 (0W-20, blau eingefärbt), die nicht abwärtskompatibel sind.
Freigaben für Mercedes-Benz (MB)
Mercedes hat eigene „Blatt-Nummern“. Ein Öl mit MB 229.1 ist für ältere Motoren (ab 1997). MB 229.31 und MB 229.51 sind „Low SAPS“-Öle für Diesel mit Partikelfilter und moderne Benziner. MB 229.5 ist ein Hochleistungsöl für verlängerte Intervalle, jedoch nicht für alle Diesel mit DPF geeignet.

Zertifizierungen und Herstellerfreigaben
BMW Freigaben
BMW Longlife-98 ist veraltet. BMW Longlife-01 ist für viele Benziner (ohne OPF) Standard. BMW Longlife-04 ist die wichtigste Norm in Europa: Sie ist aschearm und für Diesel mit DPF sowie moderne Benziner geeignet. Neue Normen wie BMW Longlife-12 FE oder Longlife-17 FE+ zielen auf Kraftstoffeffizienz ab.
Freigaben für Renault
Die Norm Renault RN0700 (eingeführt 2007) gilt für Saugbenziner und einige Diesel. Renault RN0710 ist für Turbobenziner und Diesel ohne DPF. Wichtig für moderne Diesel mit Partikelfilter ist RN0720 (ACEA C4 Basis).
Freigaben für Ford
Ford nutzt eigene WSS-Codes. Ein Öl nach Ford WSS-M2C913-D ist Standard für viele TDCi-Dieselmotoren. Es ist abwärtskompatibel zu den älteren A/B/C-Versionen.
Für die modernen EcoBoost-Benzinmotoren ist oft Ford WSS-M2C948-B (5W-20) vorgeschrieben. Diese Öle sind extrem dünnflüssig, um den Verbrauch zu senken.
Beim Ölkauf sollten Sie sich an diese Reihenfolge halten: Erstens die Herstellerfreigabe (z. B. VW 507 00), zweitens die Viskosität (z. B. 5W-30) und drittens die Qualitätsklasse (ACEA/API), falls keine spezifische Freigabe gefordert ist. Achten Sie auch auf Hinweise wie „LongLife“, wenn Sie variable Wartungsintervalle nutzen. Turbolader, Direkteinspritzung und Abgasnachbehandlungssysteme stellen hohe Anforderungen, weshalb das „billigste“ Öl oft am Ende teure Reparaturen verursacht.
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