Qualitätsprüfung von Motoröl: So testen Sie den Schmierstoff selbst

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Die Qualität des Motoröls hat direkten Einfluss auf die Funktion des Motors, seine Lebensdauer, den Kraftstoffverbrauch, die Fahrdynamik sowie den Ölverbrauch. Alle Qualitätsindikatoren eines Motoröls lassen sich nur durch eine komplexe chemische Laboranalyse exakt bestimmen. Die wichtigsten Anzeichen, die darauf hindeuten, dass der Schmierstoff dringend gewechselt werden muss oder dass es sich um eine Fälschung handelt, können Sie jedoch auch selbst überprüfen.

Qualität des Motoröls

Wie man die Ölqualität prüft

Es gibt eine Reihe einfacher Empfehlungen, mit denen sich neues Motoröl beurteilen lässt.

Erscheinungsbild des Kanisters und des Etiketts

Heutzutage finden sich im Handel neben lizenzierten Ölen auch zahlreiche Fälschungen (Plagiate). Dies betrifft fast alle Schmierstoffe des mittleren und oberen Preissegments (z. B. Mobil, Shell, Castrol, Total, Liqui Moly und andere). Die Hersteller versuchen, ihre Produkte maximal zu schützen. Der aktuelle Trend geht zur Online-Überprüfung mittels Codes, QR-Codes oder direkt über die Website des Herstellers. Eine universelle Empfehlung gibt es hier nicht, da jeder Hersteller eigene Sicherheitsmerkmale verwendet.

Beim Kauf sollten Sie jedoch die Qualität des Kanisters und des Etiketts genau prüfen. Selbstverständlich müssen darauf alle betriebsrelevanten Informationen zum enthaltenen Öl stehen (Viskosität, API- und ACEA-Standards, Herstellerfreigaben usw.).

Wenn die Schrift auf dem Etikett unscharf ist, es schief aufgeklebt wurde oder sich leicht ablöst, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Fälschung. In diesem Fall sollten Sie vom Kauf absehen.

Prüfung auf mechanische Verunreinigungen

Eine Qualitätskontrolle (insbesondere um grobe Verunreinigungen in offensichtlichen Fälschungen zu erkennen) kann mit einem Magneten und/oder zwei Glasplatten durchgeführt werden. Nehmen Sie dazu eine kleine Menge (etwa 20...30 Gramm) des zu testenden Öls, legen Sie einen kleinen Magneten hinein und lassen Sie es einige Minuten stehen. Wenn das Öl ferromagnetische Partikel enthält, werden die meisten davon am Magneten haften. Diese sind dann sichtbar oder fühlbar. Ist viel solcher „Müll“ vorhanden, ist das Öl von schlechter Qualität und sollte nicht verwendet werden. Bei hochwertigem Werksöl zeigt dieser Test keine Auffälligkeiten.

Eine andere Methode ist der Test mit Glasplatten. Geben Sie 2...3 Tropfen Öl auf eine Glasscheibe und verreiben Sie es mit einer zweiten Scheibe. Wenn beim Reiben ein metallisches Knirschen oder Kratzen zu hören ist oder Sie mechanische Partikel spüren, verzichten Sie auf die Verwendung.

Qualitätskontrolle auf Papier

Qualitätskontrolle des Öls durch Papierfleck

Ein weiterer sehr einfacher Test besteht darin, ein Blatt sauberes Papier in einem Winkel von 30...45° zu halten und ein paar Tropfen des Testöls darauf zu geben. Ein Teil davon zieht in das Papier ein, der Rest fließt über die Oberfläche ab. Diesen Rückstand sollten Sie genau betrachten.

Das Öl darf nicht extrem dickflüssig und übermäßig dunkel sein (wie Teer). In der Spur dürfen keine kleinen schwarzen Punkte zu sehen sein, die auf mechanische Verunreinigungen hindeuten. Auch einzelne dunkle Flecken sind ein schlechtes Zeichen; die Ölspur sollte homogen sein.

Hat das Öl eine dunkle Farbe, ist aber flüssig und sauber, kann es meist noch verwendet werden und ist von akzeptabler Qualität. Bedenken Sie: Jedes Öl beginnt bereits nach wenigen Dutzend Kilometern im Motor nachzudunkeln. Das ist normal und ein Zeichen dafür, dass die Reinigungsadditive (Detergenzien) wirken.

Tests mit Hausmitteln

Sie können auch Tests mit einer kleinen Menge des gekauften Öls durchführen, wenn Sie Zweifel an der Qualität haben. Füllen Sie beispielsweise eine kleine Menge (100...150 Gramm) in ein transparentes Glasgefäß und lassen Sie es ein paar Tage stehen. Bei minderwertigem Öl ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich in Fraktionen aufspaltet. Das heißt, schwere Bestandteile sinken ab, leichte schwimmen oben. Ein solches Öl gehört natürlich nicht in den Motor.

Zudem können Sie eine kleine Menge Öl im Gefrierschrank einfrieren (oder im Winter draußen, bei sehr tiefen Temperaturen). Dies gibt einen groben Aufschluss über die Kälteeigenschaften und die Viskosität bei niedrigen Temperaturen. Dies ist besonders relevant, um billige Mineralöle zu entlarven, die als teure Synthetiköle verkauft werden.

Achtung! Es kursieren Ratschläge, das Öl auf 100 Grad zu erhitzen, um die Verdampfung zu prüfen. Es wird dringend davon abgeraten, dies in der heimischen Küche im Backofen oder auf dem Herd zu tun. Es besteht Brandgefahr, und die Dämpfe der Additive können toxisch sein. Solche Tests gehören ins Labor.

Die Viskosität lässt sich zu Hause näherungsweise mit einem Trichter mit dünnem Hals (ca. 1-2 mm) prüfen. Nehmen Sie dazu die gleiche Menge neues Öl (mit derselben Viskositätsklasse) und gebrauchtes Öl aus dem Motor. Gießen Sie beide Öle nacheinander in einen TROCKENEN Trichter. Mit einer Stoppuhr können Sie messen, wie viele Tropfen oder wie viel Volumen in der gleichen Zeit durchlaufen. Weichen die Werte stark voneinander ab, ist ein Ölwechsel ratsam.

Ein indirekter Beweis für verschlissenes Öl ist ein verbrannter Geruch, besonders wenn viele Verunreinigungen enthalten sind. Wenn Sie dies bemerken, sollten weitere Prüfungen erfolgen und das Öl gegebenenfalls gewechselt werden. Ein unangenehmer Brandgeruch kann auch bei zu niedrigem Ölstand auftreten; prüfen Sie daher parallel den Pegel.

Zustandsprüfung des Öls mit dem Messstab

Ein weiterer „Heimtest“ erfolgt direkt am Ölmessstab. Der Ablauf ist wie folgt:

  • Fahren Sie den Motor warm (Betriebstemperatur).
  • Stellen Sie den Motor ab und öffnen Sie die Motorhaube.
  • Ziehen Sie den Ölmessstab heraus und wischen Sie ihn mit einem sauberen Lappen trocken.
  • Stecken Sie den Stab wieder vollständig hinein und ziehen Sie ihn erneut heraus.
  • Beurteilen Sie visuell, wie sich der Öltropfen am Stab formt und ob er sich überhaupt hält.

Wenn der Tropfen eine mittlere Konsistenz hat (weder zu flüssig wie Wasser noch zu zäh), kann das Öl oft noch weiterverwendet werden. Wenn das Öl jedoch keine Tropfen bildet, sondern einfach wie Wasser am Stab herunterläuft (und dabei noch sehr dunkel ist), sollte es schnellstmöglich gewechselt werden.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ein extrem niedriger Preis für eine „Premium-Marke“ kann ebenfalls ein indirektes Anzeichen dafür sein, dass Verkäufer versuchen, Fälschungen abzusetzen. Kein renommierter Ölhersteller senkt seine Preise drastisch ohne große, offizielle Aktionen. Lassen Sie sich nicht von dubiosen Angeboten täuschen.

Kaufen Sie Motoröl am besten im autorisierten Fachhandel oder in Baumärkten und Shops, die offizielle Verträge mit den Herstellern oder deren Distributoren haben.

Die Tröpfchenprobe (Tüpfelprobe)

Die wohl bekannteste Methode zur Bestimmung der Qualität von gebrauchtem Öl ist die sogenannte Tröpfchenprobe (auch Tüpfelprobe genannt). Diese Methode wurde ursprünglich von Shell entwickelt und ermöglicht eine schnelle Zustandsprüfung anhand eines einzigen Tropfens.

Mit dem Tröpfchentest lässt sich nicht nur die Qualität des Motoröls bestimmen, sondern auch:

  • die verbleibenden Eigenschaften des Öls;
  • der ungefähre Zustand des Motors;
  • der Zeitpunkt für einen notwendigen Ölwechsel.

Vergleichstabelle der Motorölqualität

Durchführung der Tröpfchenprobe

Wie führt man den Test durch? Gehen Sie nach folgendem Algorithmus vor:

  1. Fahren Sie den Motor warm (ca. 50…60°C reichen aus, um sich bei der Probenentnahme nicht zu verbrennen).
  2. Bereiten Sie ein sauberes, weißes Blatt Papier vor (ein Standard-A4-Blatt, gefaltet, oder idealerweise Filterpapier/Löschpapier).
  3. Öffnen Sie den Öleinfüllstutzen oder ziehen Sie den Peilstab und geben Sie ein bis zwei Tropfen auf das Papier.
  4. Warten Sie 15...20 Minuten, damit das Öl gut in das Papier einziehen kann.

Die Bewertung der Ölqualität erfolgt anhand der Form und des Aussehens des entstandenen Ölflecks.

Beachten Sie, dass sich die Qualität von Motoröl nicht linear, sondern oft sprunghaft verschlechtert. Das bedeutet: Je älter das Öl, desto schneller verliert es seine Schutz- und Reinigungseigenschaften.

Auswertung des Ölflecks

Zunächst müssen Sie die Farbe der vier verschiedenen Zonen beachten, die sich im Fleck bilden.

  1. Das Zentrum (Kernzone) – am wichtigsten! Bei altem Öl finden sich hier Rußpartikel und mechanische Verunreinigungen. Diese können physikalisch nicht weit in das Papier eindringen. In der Regel ist der Kern dunkler als der Rest.
  2. Die zweite Zone (Randzone) – dies ist Öl, das in das Papier eingedrungen ist, aber keine schweren Verunreinigungen trägt. Je dunkler dieser Ring, desto älter (oxidierter) ist das Öl. Bei Dieselmotoren ist das Öl generell dunkler. Rußt ein Diesel stark, fehlt oft die Grenze zwischen Zone 1 und 2, der Übergang ist fließend.
  3. Die dritte Zone (Diffusionszone) – weiter außen. Sie gibt Aufschluss über Wasser im Öl. Wasser ist unerwünscht. Ohne Wasser sind die Ränder glatt. Ist Wasser vorhanden, sind die Ränder gezackt (wie bei einem ausgefransten Stoff).
  4. Die vierte Zone (Kraftstoffring) – ganz außen. Ein Ring aus klarem Öl deutet auf Kraftstoff im Öl hin. Bei intakten Motoren sollte diese Zone fehlen oder minimal sein.

Bereits geringe Mengen Wasser können die Schutzeigenschaften des Öls verschlechtern und die Viskosität negativ beeinflussen.

Mit der Tröpfchenmethode lassen sich auch die Dispergiereigenschaften des Öls (Fähigkeit, Schmutz in der Schwebe zu halten) prüfen. Dieser Wert wird in relativen Einheiten ausgedrückt und nach folgender Formel berechnet: Ds = 1 — (d2/d3)², wobei d2 der Durchmesser der zweiten Zone und d3 der der dritten Zone ist. Messen Sie am besten in Millimetern.

Es gilt: Das Öl hat noch zufriedenstellende Dispergiereigenschaften, wenn der Ds-Wert nicht unter 0,3 liegt. Andernfalls ist ein sofortiger Wechsel nötig. Experten empfehlen, den Tröpfchentest alle 1.500 bis 2.000 Kilometer durchzuführen.

Das Testergebnis wird oft mit Referenzskalen verglichen (Schulnoten-System oder Punkte 1-9). Fehlt eine Farbskala, orientieren Sie sich an der folgenden Tabelle:

Zustand (Punkte)BeschreibungEmpfehlung
1, 2, 3 (Gut)Kern hell oder grau, Ränder glatt. Kein Schmutz oder Metallpartikel im Öl.Weiterfahrt bedenkenlos möglich.
4, 5, 6 (Mittel)Kern wird dunkler, Zonengrenzen verschwimmen. Öl enthält mäßig Verschleißprodukte.Weiterfahrt möglich, aber regelmäßige Kontrolle ratsam.
7, 8, 9 (Schlecht)Fleck ist schwarz, homogen, ohne klare Zonen. Schmutzgehalt über der Norm.Weiterfahrt nicht empfohlen, Ölwechsel dringend nötig.


Bedenken Sie, dass Farbveränderungen nicht immer auf einen kritischen Verschleiß hindeuten. Bei Fahrzeugen mit Autogas-Anlage (LPG) beispielsweise bleibt das Öl oft sehr lange hell, auch bei hoher Laufleistung, da Gas sauberer verbrennt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es ewig hält – die Additive bauen sich trotzdem ab, daher muss auch hier nach Intervall gewechselt werden.

Weiterentwicklung der Tröpfchenprobe

Oben wurde die klassische Methode beschrieben. Es gibt im Handel auch fertige Sets (z. B. MOTORcheckUP), bei denen statt normalem Papier ein spezieller synthetischer Filterträger mit einer Vergleichsskala verwendet wird.

In einigen modernen Motoren wurden mechanische Peilstäbe durch elektronische Sensoren ersetzt. Der Autobesitzer kann also keine Probe mehr entnehmen (sofern keine separate Serviceöffnung vorhanden ist). Solche Fahrzeuge verfügen über eine elektronische Füllstandsanzeige und oft auch über einen Qualitätssensor.

Das Prinzip des Ölgütesensors basiert meist auf der Messung der Dielektrizitätskonstante des Öls, die sich je nach Oxidation und Verunreinigung ändert. In diesem Fall müssen Sie sich auf die Bordelektronik verlassen oder eine Werkstatt aufsuchen.

Einige Hersteller (z. B. bestimmte Serien von Liqui Moly oder Castrol) fügen ihren Schmierstoffen Pigmente bei, die unter UV-Licht leuchten. Damit lässt sich die Originalität leicht mit einer UV-Taschenlampe überprüfen.

Tragbare Ölanalysatoren

Moderne Technik ermöglicht es, die Ölqualität nicht nur „per Auge“, sondern auch mit digitalen Gadgets zu bestimmen – sogenannten tragbaren Öltestern.

Die Anwendung ist simpel: Eine kleine Menge Öl wird auf den Sensor des Geräts gegeben. Der Analysator ermittelt anhand vorprogrammierter Algorithmen den Zustand des Schmierstoffs. Natürlich ersetzt ein solches Gerät keine vollumfängliche Laboranalyse, aber für einen schnellen Überblick reicht es dem Autofahrer meist aus.

Beliebte Geräte (wie der Lubricheck) arbeiten oft kapazitiv oder als Interferometer und bewerten:

  • Rußgehalt und Verunreinigungen;
  • Oxidationsgrad;
  • Vorhandensein von Wasser oder Frostschutzmittel;
  • Säure- und Basenzahl (TAN/TBN);
  • dielektrische Eigenschaften.

Die einfachsten Modelle zeigen die Qualität des getesteten Motoröls auf einer Skala an (z. B. 1 bis 10), wobei 10 für neuwertiges Öl steht und 1 einen sofortigen Wechsel signalisiert.

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