Kompatibilität von Kühlmitteln
Die Kompatibilität von Kühlmitteln ist ein entscheidender Faktor beim Mischen verschiedener Kühlflüssigkeiten. Dies betrifft insbesondere unterschiedliche Klassen, Farben und Spezifikationen. Das Nachfüllen oder Mischen verschiedener Kühlmittel muss jedoch strikt nach der Kompatibilitätstabelle erfolgen. Ignoriert man diese Vorgaben, entspricht das resultierende Gemisch im besten Fall nicht den Normen und schützt das Kühlsystem nicht mehr ausreichend vor Überhitzung. Im schlimmsten Fall führt dies zu Korrosion an Systemkomponenten, verkürzt die Lebensdauer des Motoröls um 10 bis 20 %, erhöht den Kraftstoffverbrauch um bis zu 5 % und kann Schäden an der Wasserpumpe sowie andere unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Kühlmittel-Varianten und ihre Besonderheiten
Um zu verstehen, ob man Kühlmittel mischen darf, muss man die physikalischen und chemischen Prozesse kennen, die beim Mischen auftreten. Alle Kühlmittel basieren entweder auf Ethylenglykol oder Propylenglykol. Ethylenglykol-Kühlmittel unterteilen sich wiederum in verschiedene Unterarten.
In Europa und vielen anderen Regionen ist die Spezifikation des Volkswagen-Konzerns (Code TL 774) der am weitesten verbreitete Standard zur Unterscheidung. Dementsprechend werden Kühlmittel in die Typen C, F, G, H und J unterteilt. Im Handel sind diese als G11, G12, G12+, G12++, G13 bekannt. Viele Autofahrer wählen das Kühlmittel für ihr Fahrzeug nach dieser Kennzeichnung aus, obwohl man bedenken sollte, dass dies keine offizielle internationale Norm ist, sondern ursprünglich nur für VAG-Fahrzeuge (VW, Audi, Skoda, Seat) galt.
In verschiedenen Ländern gelten unterschiedliche Normen. Während in den USA Standards wie ASTM D 3306, ASTM D 4340 und ASTM D 4985 (auf Ethylenglykol-Basis) sowie SAE J1034 (Propylenglykol) dominieren, gelten diese oft auch international. In Großbritannien nutzt man BS6580:1992 (ähnlich dem VW G11), in Japan JISK 2234, in Frankreich AFNORNFR 15-601, in Deutschland FWHEFTR 443, in Italien CUNA und in Australien ONORM.
Ethylenglykol-Kühlmittel lassen sich in folgende Hauptgruppen unterteilen:
- Traditionelle Kühlmittel (mit anorganischen Korrosionsinhibitoren). Nach VW-Spezifikation als G11 bezeichnet. Die internationale Bezeichnung lautet IAT (Inorganic Acid Technology). Sie werden in Fahrzeugen mit älteren Motortypen verwendet (vor allem solche mit Bauteilen aus Kupfer oder Messing). Die Lebensdauer beträgt 2 bis 3 Jahre. Diese Kühlmittel sind meist grün oder blau. Die Farbe hat jedoch keinen direkten Einfluss auf die Eigenschaften, daher sollte man sich nicht blind auf den Farbton verlassen.
- Carboxylat-Kühlmittel (mit organischen Inhibitoren). In der VW-Spezifikation als VW TL 774-D (G12) oder VW TL 774-F (G12+) bezeichnet. Sie sind meist leuchtend rot, seltener lila-violett (G12+ wird seit 2003 verwendet). Die internationale Bezeichnung ist OAT (Organic Acid Technology). Die Lebensdauer beträgt 3 bis 5 Jahre. Diese Kühlmittel sind für neuere Fahrzeuge konzipiert. Wenn man von einem älteren Kühlmittel (G11) auf Carboxylat umsteigt, muss das System zwingend erst mit Wasser und dann mit dem neuen Konzentrat gespült werden. Zudem sollten Dichtungen und Schläuche geprüft werden.
- Hybrid-Kühlmittel. Der Name rührt daher, dass sie sowohl Salze von Carbonsäuren als auch anorganische Salze enthalten – meist Silikate, Nitrite oder Phosphate. Farblich gibt es hier viele Varianten, von Gelb oder Orange bis Blau und Grün. Internationale Bezeichnung: HOAT (Hybrid Organic Acid Technology). Obwohl Hybride oft als weniger fortschrittlich als reine OAT gelten, nutzen viele Hersteller (z. B. BMW und Chrysler) diese Technologie. Die BMW-Spezifikation N600 69.0 ähnelt stark dem G11. Für BMW gilt zudem GS 94000, für Opel die Opel-GM 6277M.
- Lobrid-Kühlmittel (Bezeichnung: Lobrid – Low hybrid oder SOAT – Silicon enhanced Organic Acid Technology). Sie enthalten organische Korrosionsinhibitoren in Kombination mit Siliziumverbindungen. Dies sind die modernsten Varianten mit den besten Eigenschaften. Ihre Lebensdauer beträgt bis zu 10 Jahre (oft eine "Lebenszeitfüllung"). Sie entsprechen VW TL 774-G (G12++) und TL 774-J (G13). Originale VAG-Flüssigkeiten dieser Klassen sind meist violett oder lila.
Die aktuell modernsten und fortschrittlichsten Varianten sind Kühlmittel auf Propylenglykol-Basis (G13). Dieser Alkohol ist umweltfreundlicher und weniger giftig für den Menschen.

Gültigkeitszeiträume verschiedener Standards
Kompatibilität von Kühlmitteln untereinander
Nachdem wir die Spezifikationen geklärt haben, stellt sich die Frage: Welche Kühlmittel darf man mischen und warum sind manche Kombinationen verboten? Die Grundregel lautet: Das Nachfüllen (Mischen) ist nicht nur bei gleicher Klasse zulässig, sondern idealerweise auch bei gleichem Hersteller. Denn trotz ähnlicher chemischer Basis nutzen verschiedene Hersteller unterschiedliche Technologien und Additive. Beim Mischen könnten chemische Reaktionen auftreten, die die Schutzwirkung neutralisieren.
| Kühlmittel zum Nachfüllen | Kühlmittel im System | ||||
| G11 | G12 | G12+ | G12++ | G13 | |
| G11 | |||||
| G12 | |||||
| G12+ | |||||
| G12++ | |||||
| G13 | |||||
Beachten Sie, dass einige Kühlmittelklassen prinzipiell inkompatibel sind! So darf man beispielsweise G11 und G12 keinesfalls mischen. Das Mischen von G11 mit G12+ sowie G12++ mit G13 ist hingegen meist zulässig. Das Mischen verschiedener Klassen sollte jedoch nur als Notlösung für kurze Zeit betrachtet werden. Als universeller Notfalltipp gilt: G12+ oder destilliertes Wasser nachfüllen. Bei der nächsten Gelegenheit sollte das System gespült und mit dem vom Hersteller empfohlenen Mittel befüllt werden.
Ein häufiges Thema ist die Verträglichkeit von älteren silikathaltigen Mitteln (oft blau/grün) und modernen Mitteln. Diese klassischen Kühlmittel (vergleichbar mit G11 oder älteren IAT-Standards) wurden für Kupfer- und Messingkühler entwickelt. Man darf sie NICHT mit modernen carboxylathaltigen Flüssigkeiten (G12) mischen. Ihre anorganischen Zusätze vertragen sich nicht mit den organischen Additiven der Carboxylate und können modernen Aluminiumkühlern schaden oder verklumpen.
Vergessen Sie nicht: Eine Not-Mischung ist keine Dauerlösung. Da solche Mischungen oft keinen optimalen Korrosionsschutz mehr bieten, können Systemteile rosten oder schneller verschleißen. Daher sollte man die Flüssigkeit zeitnah wechseln und das System spülen.
Zum Thema Spülung: Einige Hersteller (z. B. MAN) empfehlen eine mehrstufige Reinigung mit Kühlmittelkonzentrat. Zuerst mit einer 60%igen Konzentratlösung spülen, dann mit einer 10%igen, und erst danach die fertige 50/50-Mischung einfüllen.
Technisch am saubersten ist es, Kühlmittel zu verwenden, die den Herstellerfreigaben Ihres Autos entsprechen (und nicht nur den VW-Normen, auch wenn diese weit verbreitet sind). Die Herausforderung besteht darin, diese Freigaben im Handbuch zu finden und mit den Angaben auf der Flasche abzugleichen. Richten Sie sich primär immer nach den Vorgaben Ihres Fahrzeugherstellers.
Kompatibilität nach Farben
Darf man Kühlmittel verschiedener Farben mischen? Es gibt keine normierte Vorschrift, welche Farbe eine bestimmte Flüssigkeit haben muss. Jeder Hersteller kann dies theoretisch selbst entscheiden. Historisch hat es sich jedoch eingebürgert, dass G11 meist grün (oder blau), G12, G12+ und G12++ rot (bzw. rosa) und G13 violett (lila) sind.
Vorgehensweise: Prüfen Sie zuerst, ob die Farbe der Flüssigkeit der erwarteten Klasse entspricht. Falls nicht, gelten die Regeln aus dem vorherigen Abschnitt. Passen die Farben zu den Standardklassen, gilt: Grün (G11) nicht mit Rot (G12) mischen. Andere Kombinationen sind oft möglich (siehe Tabelle). Ein wichtiges Detail: G12+ und G12++ sind ebenfalls rot/rosa, dürfen aber im Gegensatz zu reinem G12 oft sowohl mit G11 als auch mit G13 gemischt werden.

Kühlmittel Kompatibilität
Vorsicht bei älteren Produkten aus dem osteuropäischen Raum (oft als "Tosol" bekannt) oder Billigware: Diese können trotz passender blauer Farbe eine veraltete Rezeptur haben, die sich mit modernen Mitteln nicht verträgt.
Versuchen Sie, Kühlmittel der gleichen Marke zu verwenden, um unerwünschte chemische Reaktionen zu vermeiden. Bevor Sie nachfüllen, können Sie auch einen einfachen Test auf Verträglichkeit durchführen.
Kühlmittel-Kompatibilität prüfen

Die Prüfung ist auch in der heimischen Garage möglich. Dieser Test bietet zwar keine 100-prozentige Garantie, gibt aber einen visuellen Hinweis darauf, ob die Flüssigkeiten miteinander reagieren.
Nehmen Sie eine Probe der Flüssigkeit aus dem Kühlsystem (z. B. mit einer Spritze oder über den Ablass) und mischen Sie sie in einem transparenten Behälter mit dem neuen Kühlmittel, das Sie nachfüllen wollen.
Mischen Sie beide Flüssigkeiten im Verhältnis 1:1 und warten Sie 5 bis 10 Minuten. Wenn keine stürmische chemische Reaktion auftritt, kein Schaum entsteht und sich kein Niederschlag am Boden bildet, sind die Mittel wahrscheinlich kompatibel. Sollte eines dieser Anzeichen auftreten, keinesfalls nachfüllen! Um den Test realistischer zu gestalten, können Sie die Mischung vorsichtig auf 80–90 Grad erhitzen.
Allgemeine Empfehlungen zum Nachfüllen
Hier einige grundlegende Tipps für jeden Autofahrer:
- Bei Fahrzeugen mit Kupfer- oder Messingkühlern (oft bei Oldtimern) sollten traditionelle Kühlmittel (meist grün oder blau, IAT/G11) verwendet werden.
- Bestehen Kühler und Systemteile aus Aluminium und Legierungen (bei den meisten modernen Autos der Fall), sind fortschrittliche Kühlmittel der Klassen G12 oder G12+ (meist rot/orange) erforderlich. Für sehr neue Fahrzeuge, Sportwagen oder die Oberklasse kommen oft Lobrid-Kühlmittel (G12++, G13) zum Einsatz – schauen Sie hierzu ins Handbuch.
- Wissen Sie nicht, was im System ist, und der Stand ist kritisch niedrig? Füllen Sie bis zu 200 ml destilliertes Wasser oder G12+ Kühlmittel nach. G12+ ist in der Regel mit den meisten anderen Typen mischbar.
- Als Faustregel: Mischen Sie fast alles kurzzeitig, ABER NIEMALS alte mineralische Mittel (G11) mit reinem Carboxylat (G12). Die unterschiedlichen Additive können verklumpen und Dichtungen angreifen. Und denken Sie daran: Fahren Sie nicht dauerhaft mit einem wilden Mix! Spülen Sie das System bei nächster Gelegenheit und füllen Sie das vom Hersteller empfohlene Mittel ein.
- Die ideale Lösung: Kaufen Sie ein Konzentrat oder Fertiggemisch in einem größeren Gebinde, füllen Sie nach Bedarf auf und lagern Sie den Rest im Auto oder in der Garage. So haben Sie immer das exakt passende Mittel zum Nachfüllen parat.
Die Einhaltung dieser einfachen Regeln hält Ihr Kühlsystem lange fit. Ein nicht funktionierendes Kühlmittel führt zu mehr Verbrauch, Ölverschleiß und Korrosion bis hin zum Motorschaden.
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