Knackende Antriebswelle: Diagnose und Ursachen
Wenn beim Abbiegen die Antriebswelle knackt (genauer gesagt das Gleichlaufgelenk), ist es wichtig, schnell herauszufinden, welches Bauteil genau betroffen ist. Fahrzeuge mit Frontantrieb besitzen vier Gelenke: zwei getriebeseitige (innen) und zwei radseitige (außen). Zudem muss sichergestellt werden, dass das Geräusch tatsächlich vom Gelenk und nicht von einem anderen Teil der Aufhängung stammt. Wir gehen die Diagnosealgorithmen und Lösungen durch.

Arten und Aufbau von Gleichlaufgelenken
Um die Ursache des Defekts zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Aufbau des Bauteils. Die Aufgabe jedes Gleichlaufgelenks (oft auch homokinetisches Gelenk genannt) ist es, das Drehmoment zwischen Wellen zu übertragen, die in unterschiedlichen Winkeln zueinander stehen. Bei einem frontgetriebenen Fahrzeug sind vier Gelenke verbaut:
- Zwei innere (getriebeseitig): Übertragen das Moment vom Getriebe auf die Welle. Konstruktiv meist als Tripodegelenk (mit Nadellagern) ausgeführt. Sie gehen seltener kaputt.
- Zwei äußere (radseitig): Übertragen das Moment von der Welle auf das Rad. Basieren meist auf einem Kugelkäfig-System (Rzeppa-Gelenk). Da sie unter größeren Beugewinkeln arbeiten, verschleißen sie häufiger und verursachen das typische Knacken.

Arten und Position der Gelenke
Die wichtigste Voraussetzung für eine lange Lebensdauer ist ausreichendes Fett und eine intakte Achsmanschette. Reißt die Manschette, dringt Schmutz ein, der wie Schmirgelpapier wirkt und den Mechanismus zerstört.

Inneres und äußeres Gelenk im Zusammenspiel

Funktionsweise des äußeren Gelenks
So erkennen Sie ein defektes Gelenk
Die erste Diagnose ist einfach: Ein charakteristisches Knacken oder Klicken in Kurven deutet auf das radseitige (äußere) Gelenk hin. Ein Klopfen oder Vibrationen bei der Fahrt geradeaus (besonders unter Last oder bei Schlaglöchern) ist ein Anzeichen für einen Defekt des getriebeseitigen (inneren) Gelenks.
Diagnose: Knacken des äußeren Gelenks

Aufbau des äußeren Gelenks
Suchen Sie sich einen großen, freien Platz. Schlagen Sie die Räder bis zum Anschlag in eine Richtung ein und fahren Sie zügig an (aber ohne durchdrehende Reifen). Der maximale Beugewinkel des Gelenks unter Last provoziert das Geräusch, wenn das Bauteil verschlissen ist.
Faustregel für die Diagnose:
- Bei einer Linkskurve wird das rechte äußere Gelenk belastet und knackt.
- Bei einer Rechtskurve ist es das linke Gelenk.
Das liegt daran, dass sich das Fahrzeuggewicht in der Kurve auf die kurvenäußere Seite verlagert und das entsprechende Rad belastet. Es kann jedoch Ausnahmen geben, daher bitten Sie für eine genaue Diagnose einen Helfer, das Geräusch von außen nahe dem jeweiligen Rad zu lokalisieren.
So klingt ein defektes inneres Gelenk

Aufbau des inneren Gelenks
Die Diagnose der getriebeseitigen Gelenke ist schwieriger. Symptome:
- Knacken oder Schlagen beim Durchfahren tiefer Schlaglöcher (wenn die Aufhängung stark ein- und ausfedert).
- Vibrationen und Ruckeln des Fahrzeugs beim Beschleunigen im Bereich von 80–100 km/h, die verschwinden, wenn man das Gaspedal loslässt.
Zum Testen kann man die Hinterachse stark beladen (Passagiere oder Ladung), damit sich der Vorderwagen anhebt und sich der Arbeitswinkel der inneren Gelenke ändert. Wenn beim Fahren in dieser Position ein Knacken auftritt, liegt das Problem beim inneren Gelenk.
Universelle Diagnosemethode

Diagnose eines defekten inneren Gelenks
Diese Methode ermöglicht eine präzise Lokalisierung des Defekts, erfordert aber die strikte Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen.
- Bocken Sie ein Vorderrad mit dem Wagenheber auf. Ziehen Sie unbedingt die Handbremse an und sichern Sie die Hinterräder mit Unterlegkeilen.
- Starten Sie den Motor, legen Sie den 1. Gang ein und lassen Sie die Kupplung langsam kommen. Das Rad beginnt sich zu drehen.
- Betätigen Sie langsam die Bremse, um Last zu simulieren. Hören Sie ein Klopfen, ist das innere Gelenk auf dieser Seite defekt. Ist es ruhig, wird der Motor lediglich anfangen abzuwürgen.
- Schlagen Sie das Lenkrad nach links/rechts ein und bremsen Sie ebenfalls leicht ab. Ein auftretendes Knacken deutet auf ein defektes äußeres Gelenk hin.
- Wiederholen Sie den Vorgang auf der anderen Seite.
Warum fängt das Gelenk an zu knacken?
Das Gleichlaufgelenk ist ein robustes Bauteil, das jahrelang halten kann. Die Hauptursachen für Ausfälle sind:
- Gerissene Achsmanschette. Die häufigste Ursache. Wasser und Sand gelangen hinein und verwandeln das Fett in Schleifpaste. Das Bauteil wird innerhalb weniger hundert Kilometer zerstört.
- Aggressiver Fahrstil. Kavalierstarts mit eingeschlagenen Rädern (Driften, Wenden mit durchdrehenden Reifen) erzeugen eine kritische Belastung für Käfig und Kugeln.
- Natürlicher Verschleiß oder Materialfehler. Mit der Zeit entstehen an den Kontaktstellen von Kugeln und Laufbahnen Abnutzungen (Pitting). Das Überrollen dieser Unebenheiten erzeugt das Knackgeräusch.

Gerissene Achsmanschette und austretendes Fett

Prüfung auf Spiel im Gelenk
Folgen: Kann man weiterfahren?
Mit einem knackenden Gelenk weiterzufahren ist nicht ratsam. Das Geräusch bedeutet, dass sich das Metall bereits auflöst. Folgen bei Ignorieren des Problems:
- Blockieren des Rades. Wenn der Kugelkäfig bei hoher Geschwindigkeit zerbricht, kann das Rad blockieren. Dies birgt ein hohes Unfallrisiko.
- Abriss der Antriebswelle. Das Auto bleibt liegen, da das Differential die Kraft auf die abgerissene Halbwelle leitet. Die Weiterfahrt ist dann nur noch mit dem Abschleppwagen möglich.
Reparatur oder Austausch?

Neues inneres Gleichlaufgelenk
Viele Autofahrer fragen sich, ob man das Knacken durch neues Fett „heilen“ kann. Die Antwort lautet: Nein.
Wenn Sie ein Knacken hören, bedeutet das, dass auf den Arbeitsflächen (Kugeln, Laufbahnen) bereits mechanischer Abrieb vorhanden ist – Pitting oder Ausbrüche. Kein Schmiermittel, auch nicht mit Additiven, kann Metall wiederherstellen. Das Schleifen der Oberflächen ist ebenfalls gefährlich und sinnlos, da dabei die gehärtete Metallschicht abgetragen wird.
Was tun bei Knackgeräuschen:
- Wenn die Manschette gerissen ist, aber noch kein Knacken zu hören ist: Bauen Sie das Gelenk sofort aus, reinigen Sie es vollständig vom alten, sandigen Fett, füllen Sie neues Fett ein und montieren Sie eine neue Manschette. Das kann das Bauteil retten.
- Wenn das Knacken bereits vorhanden ist: Die einzige zuverlässige Lösung ist der komplette Austausch des Gelenks.
Fazit
Gleichlaufgelenke sind langlebige Bauteile, solange man auf die Achsmanschetten achtet. Knacken ist ein Signal für eine irreversible Zerstörung. Versuchen Sie nicht, es mit „Wunderzusätzen“ oder Schleifen zu beheben. Der rechtzeitige Austausch des Gelenks ist eine Frage Ihrer Sicherheit im Straßenverkehr.
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