Brummen im Auto
Brummen im Auto während der Fahrt kann verschiedene Ursachen haben – von einem defekten Radlager über eine Unwucht der Räder bis hin zu Problemen mit dem Getriebe. Es ist wichtig, die Herkunft dieser Geräusche zu unterscheiden, da die Ursachen kritisch sein können. Wenn beispielsweise ein Radlager ausfällt (was in den meisten Fällen die Ursache für ein Brummen während der Fahrt ist), sollte das Fahrzeug bis zum Austausch des defekten Bauteils möglichst nicht mehr bewegt werden. Dies stellt sonst ein Sicherheitsrisiko dar – sowohl für den Fahrer und die Passagiere als auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Ursachen für natürliche Geräusche
Bevor wir auf die möglichen Ursachen für starkes Brummen bei hoher Geschwindigkeit eingehen, müssen wir die Begriffe klären. Je nach Grad der Schalldämmung in verschiedenen Fahrzeugen werden Fahrer und Passagiere immer gewisse Geräusche von außen wahrnehmen. Daher lassen sich Geräusche grob in drei Gruppen unterteilen: natürliche, unnatürliche und sonstige. Vor natürlichen und sonstigen Geräuschen muss man sich meist nicht fürchten, während Quellen unnatürlicher Geräusche einer weiteren Diagnose bedürfen, da sie oft auf Defekte hinweisen.
Zu den Ursachen natürlicher Geräusche gehören:
- Starker Gegen- oder Seitenwind bei Fahrt auf der Autobahn. Dies gilt besonders bei hohen Geschwindigkeiten und für Fahrzeuge mit kleinerer Karosserie. Um das Dröhnen zu verringern, hilft es in diesem Fall, die Geschwindigkeit etwas zu reduzieren.
- Motorgeräusche. Jeder Verbrennungsmotor erzeugt im Betrieb Geräusche. Wenn der Motor jedoch plötzlich deutlich lauter arbeitet als zuvor, ist eine zusätzliche Diagnose erforderlich.
- Fahrt auf schlechten Straßen. Insbesondere auf grobkörnigem Asphalt entsteht immer ein höheres Abrollgeräusch als auf glattem Belag.
- Offene Fenster. Bei hohen Geschwindigkeiten mit offenen Fenstern entsteht im Innenraum ebenfalls ein erhöhter Lärmpegel.
All diese genannten Phänomene stellen keine Bedrohung für das Fahrzeug oder die Insassen dar. Auch die Ursachen der sogenannten „sonstigen“ Geräusche sind meist harmlos. Dazu zählen:
- Knarzen von Kunststoff im Innenraum. Manchmal hilft hier der Einsatz von Silikonspray, um die Reibungspunkte zu schmieren.
- Dachträger. Dies betrifft vor allem ältere, kantige Dachträger-Modelle (moderne, aerodynamische Varianten haben diesen Nachteil oft nicht mehr). Das Brummen beginnt meist schon ab ca. 60 km/h. Ähnliches gilt, wenn Ladung auf dem Dachträger transportiert wird – hier kann das Geräusch noch stärker sein.
Ursachen für das Auftreten von Brummen im Auto
Die oben genannten Geräuschursachen sind unkritisch. Meistens interessieren sich Autofahrer jedoch für Geräusche, die durch einen Defekt an einem Fahrzeugteil verursacht werden. Gehen wir diese der Reihe nach durch.
Defektes Radlager
Statistisch gesehen ist dies die häufigste Ursache für ein Brummen im Auto unter verschiedensten Bedingungen – während der Fahrt, in Kurven oder auf unterschiedlichen Straßenbelägen. Anzeichen für ein defektes Radlager an einem der Vorderräder können folgende Situationen sein:

Defektes Radlager
- Das Brummen vorne oder hinten im Auto nimmt mit zunehmender Geschwindigkeit zu;
- Das Geräusch verstärkt sich beim Einlenken in eine Richtung und nimmt ab, wenn die Räder wieder gerade stehen (je enger die Kurve und je höher die Geschwindigkeit, desto wahrscheinlicher ist ein Radlagerdefekt);
- Bei höheren Geschwindigkeiten (ab ca. 60 km/h) klingt das Brummen „wie in einem Flugzeug“, es wird also sehr laut und intensiviert sich weiter mit der Geschwindigkeit;
- Beim Beschleunigen auf hohe Geschwindigkeiten tritt neben dem Brummen auch eine Vibration am Lenkrad auf (in fortgeschrittenen Fällen vibriert das ganze Auto, was besonders auf glatten Straßen spürbar ist).
Der Grund dafür, dass sich das Brummen in Kurven verstärkt, liegt darin, dass sich das Fahrzeuggewicht durch die Fliehkraft auf das kurvenäußere Radlager verlagert und die Belastung dort steigt (in einer Linkskurve wird das rechte Lager belastet, in einer Rechtskurve das linke). Entsprechend verstärkt sich auch das Geräusch des betroffenen Lagers.
Ein Radlager lässt sich recht einfach überprüfen, oft sogar ohne Werkstattbesuch. Dazu muss das Auto an dem Rad aufgebockt werden, das überprüft werden soll. Vorher sollte der Gang herausgenommen werden (Leerlauf), damit sich das Rad frei drehen lässt (bei angetriebenen Achsen). Das Fahrzeug muss gegen Wegrollen gesichert werden (Unterlegkeile), die Handbremse sollte jedoch gelöst sein, wenn ein hinteres Lager geprüft wird.
Das freihängende Rad sollte nun von Hand schnell gedreht werden, um ein eventuelles Mahlen oder Brummen zu hören. Zudem sollte man das Rad in der vertikalen Ebene rütteln (oben und unten fassen und kippen). Ist ein Spiel spürbar und weicht das Rad von der streng vertikalen Position ab, ist das Radlager defekt.
Manchmal lässt sich ein Defekt auch durch Vibrationen am Fahrwerk diagnostizieren, wenn kein deutliches Geräusch beim Drehen von Hand hörbar ist. Drehen Sie das Rad und legen Sie eine Hand auf ein nahes Fahrwerksteil. An der Vorderachse eignet sich der Federteller des Stoßdämpfers oder Teile des Achsschenkels. An der Hinterachse greift man an den Stoßdämpfer, die Feder oder einen nahen Lenker. Spürt man während des Drehens Vibrationen in den Fingern, ist das Lager hinüber.
Bei Allradfahrzeugen ist die Diagnose etwas schwieriger, da sich die Räder nicht so frei drehen. Hier ist oft eine Hebebühne und eventuell ein Stethoskop erforderlich.
Es gibt Fälle, in denen eine manuelle Prüfung im Stand keinen Fehler zeigt. Wenn Sie das Lager geprüft haben, das Geräusch während der Fahrt aber weiterhin besteht, können Sie einen Test auf einer sicheren, freien Strecke machen. Fahren Sie (vorsichtig!) Schlangenlinien oder gehen Sie in Kurvenfahrt. Ändert sich das Geräusch dabei signifikant, liegt es höchstwahrscheinlich am Radlager. Im Zweifel sollten Sie immer eine Fachwerkstatt aufsuchen.
Ein defektes Lager sollte umgehend ausgetauscht werden. Die Weiterfahrt mit einem kaputten Radlager ist gefährlich, besonders bei starkem Verschleiß. Zudem kann sich ein überhitztes Lager festfressen und den Achsschenkel oder die Antriebswelle beschädigen.
Lockerer Riemen an Lichtmaschine oder Klimakompressor
Ein lockerer Keilriemen oder Rippenriemen erzeugt oft ein quietschendes oder pfeifendes Geräusch. Dies tritt meist beim Beschleunigen oder im Leerlauf auf. Das ist zwar unangenehm, aber meist nicht sofort kritisch. Dieses Geräusch unterscheidet sich jedoch deutlich von einem tiefen Brummen.
Quietschen der Bremsbeläge
Beim Bremsen können Bremsbeläge quietschen oder pfeifen. Auch dies unterscheidet sich von einem Wummern oder Brummen. Ursache können verschlissene Beläge oder eine beschädigte Bremsscheibe sein.
Inneres Gleichlaufgelenk (Antriebswelle)
Das Gleichlaufgelenk (Antriebswellengelenk) gibt es als äußeres und inneres Gelenk. Bei einem Defekt des inneren Gelenks entsteht oft ein Brummen oder Wummern unter dem Fahrzeug, da es Teil des Antriebsstrangs ist. Das Geräusch ähnelt oft einem Knacken oder Mahlen und verstärkt sich beim Einfedern oder in Kurven sowie bei hoher Geschwindigkeit. Ursachen können sein:
- Fehlendes Fett im Gelenk oder Schmiermittel von schlechter Qualität.
- Minderwertige Ersatzteile oder eine beschädigte Achsmanschette, durch die Schmutz eindringt.
- Starker Verschleiß durch hohe Laufleistung oder aggressiven Fahrstil.
Oft hilft hier der Austausch des Fetts und der Manschette, sofern das Gelenk noch nicht zu stark beschädigt ist.
Servopumpe
Ein Brummen kann im Winter bei sehr tiefen Temperaturen auftreten, wenn das Hydrauliköl der Servolenkung stark eingedickt ist. Kurz nach dem Motorstart (meist 2-3 Minuten) ist im Leerlauf ein Surren oder Brummen von der Servopumpe zu hören, die versucht, das zähe Öl zu pumpen. Das ist schädlich für die Pumpe. Es empfiehlt sich, das Servoöl gegen ein hochwertiges, kälteresistentes Produkt zu tauschen und die Pumpe zu überprüfen.
Servoleitungen
Manchmal brummt oder vibriert es im Leerlauf, aber sobald die Drehzahl leicht steigt, verschwindet das Geräusch. Dies kann an den Schläuchen der Servolenkung liegen, wenn diese unter Spannung verlegt sind oder die Karosserie berühren. Überprüfen Sie dies, indem Sie im Stand lenken. Ändert sich das Geräusch, sollten die Leitungen auf korrekte Verlegung geprüft werden.
Besitzer von Mercedes-Benz Fahrzeugen mit ABC-Fahrwerk (Active Body Control) kennen ähnliche Probleme. Auch hier können falsch verlegte oder verspannte Hydraulikleitungen Geräusche verursachen.
Wasserpumpenlager
Wie jedes Lager verschleißt auch das Lager der Wasserpumpe mit der Zeit und kann ein Brummen aus dem Motorraum verursachen. Bei einem Defekt droht eine Überhitzung des Motors. Eine schnelle Diagnose und der Austausch der Pumpe sind notwendig.
Lichtmaschinenlager

Ein verschlissenes Lager der Lichtmaschine (Generator) erzeugt ebenfalls ein Heulen oder Brummen aus dem Motorraum, das mit der Zeit lauter wird. Ein blockierendes Lager kann dazu führen, dass der Riemen reißt oder die Lichtmaschine nicht mehr lädt, was zu Problemen mit der Bordelektronik und einer entladenen Batterie führt.
Getriebeeingangswellenlager
Kommt das Brummen von unten und verschwindet, wenn Sie während der Fahrt in den Leerlauf schalten (bzw. die Kupplung treten und rollen lassen), könnte das Lager der Eingangswelle im Getriebe defekt sein. Das Geräusch ist meist drehzahlabhängig. Ein Austausch erfordert in der Regel den Ausbau und die Zerlegung des Getriebes, was eine Arbeit für Spezialisten ist.
Ausrücklager
Wenn das Brummen oder Rauschen genau dann auftritt, wenn Sie das Kupplungspedal treten, ist höchstwahrscheinlich das Ausrücklager defekt. In diesem Fall muss das Getriebe abgenommen und das Lager (meist zusammen mit der Kupplung) getauscht werden.
Viele Lager im Auto können Geräusche verursachen. Weitere Kandidaten sind:
- Mittellager der Kardanwelle;
- Lager im Verteilergetriebe;
- Differentiallager;
- Zwischenlager der Antriebswelle;
- Diverse Getriebelager.
Die genaue Lokalisierung ist oft schwierig und erfordert Erfahrung oder ein Stethoskop in der Werkstatt.
Zu wenig Getriebeöl
Ein zu niedriger Ölstand im Getriebe (egal ob manuell oder automatisch) kann zu Heul- oder Brummgeräuschen führen. Je höher die Last oder Geschwindigkeit, desto lauter wird es. Das Getriebe „trocken“ zu fahren, führt schnell zum Totalschaden. Kontrollieren Sie den Ölstand und füllen Sie bei Bedarf nach.
Hinterachsdifferential

Bei heck- oder allradgetriebenen Fahrzeugen kann das Differential an der Hinterachse verschleißen. Das Brummen kommt dann von hinten und steigt mit der Geschwindigkeit an. Ursachen sind oft altes/fehlendes Öl oder Verschleiß der Zahnflanken (Zahnflankenspiel). Eine Überholung oder ein Austausch ist dann notwendig.
Verschlissenes Kreuzgelenk der Kardanwelle
Auch hier kommt das Geräusch von hinten oder unten. Zur Prüfung muss man unter das Auto (Grube/Hebebühne). Halten Sie die Kardanwelle mit einer Hand und den Flansch des Differentials mit der anderen. Versuchen Sie, beide gegeneinander zu verdrehen. Ist Spiel spürbar, ist das Kreuzgelenk verschlissen.
Lose Motorlager
Wenn die Motorlager (Motoraufhängung) verschlissen oder locker sind, entstehen Vibrationen und Dröhnen, besonders auf unebenen Straßen oder unter Last. Oft reicht ein Nachziehen, bei Defekt müssen die Gummimetalllager getauscht werden.
Getriebehalterung
Ein seltenerer Fall: Das Gummilager der Getriebehalterung löst sich oder reißt. Das Brummen tritt oft ab ca. 60 km/h auf. Die Diagnose erfolgt durch Sichtprüfung von unten.
Defekte Pulsationsdämpfer
In hydraulischen Fahrwerkssystemen (wie bei einigen Mercedes-Modellen) kommen Pulsationsdämpfer zum Einsatz. Sind diese defekt, übertragen sich Vibrationen und ein Brummen auf die Karosserie. Diese Teile müssen dann getauscht werden.
Winterreifen im Sommer
Winterreifen haben ein gröberes Profil und eine weichere Gummimischung. Die Fahrt auf warmem Asphalt im Sommer ist deutlich lauter als mit Sommerreifen. Neben dem Brummen verschleißen die Reifen extrem schnell und der Bremsweg verlängert sich. Wechseln Sie rechtzeitig auf Sommerreifen. Tauschen Sie jedoch nicht mitten im Winter bei einer kurzen Wärmeperiode, sondern erst, wenn konstant warme Temperaturen herrschen. Vergessen Sie nicht das Auswuchten nach dem Wechsel.
Unwucht der Räder
Nicht ausgewuchtete Räder verursachen Vibrationen, die mit der Geschwindigkeit zunehmen. Dies erzeugt auch ein wummerndes Geräusch. Lassen Sie die Räder in einer Werkstatt wuchten, um Folgeschäden am Fahrwerk zu vermeiden.
Falsche Reifenmontage
Manchmal wird ein Reifen entgegen seiner vorgeschriebenen Laufrichtung montiert (achten Sie auf den Pfeil „Rotation“ an der Flanke). Dies führt zu erhöhten Abrollgeräuschen und schlechterem Fahrverhalten. Prüfen Sie auch den Reifendruck.
Auspuffanlage
Tritt ein Dröhnen nur in einem bestimmten Drehzahlbereich auf, kann dies an Resonanzschwingungen der Auspuffanlage liegen. Eventuell liegt ein Rohr an der Karosserie an oder eine Halterung ist gebrochen.
Fazit
Es gibt natürliche Geräusche, die kein Grund zur Sorge sind, und solche, die auf Defekte hinweisen. Ein neues oder stärker werdendes Brummen sollte niemals ignoriert werden. Eine frühzeitige Diagnose sorgt für Sicherheit und hilft, teure Folgereparaturen zu vermeiden.
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