Zündspule prüfen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

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Die Zündspule hat die Aufgabe, Hochspannung zu erzeugen, die von der Zündkerze benötigt wird, um einen Funken zu bilden. Ihre einwandfreie Funktion ist für den Betrieb des Motors unerlässlich. Im Grunde ist die Spule ein Transformator: An der Primärwicklung liegen 12 V von der Batterie an, während am Ausgang eine Spannung von mehreren tausend Volt entsteht. Die Ursachen für einen Ausfall sind typisch: Windungsschluss, Kabelbruch, Beschädigung der Isolierung oder des Gehäuses. Wir betrachten hier die Symptome eines Defekts und die Diagnosemethoden.

Zündspule prüfen

Funktionsweise der Zündspule

Die Zündspule ist ein Aufwärtstransformator. Konstruktiv besteht sie aus zwei Wicklungen – der Primärwicklung (Niederspannung) und der Sekundärwicklung (Hochspannung).

Bei einer einfachen Becherzündspule hat die Primärwicklung etwa 100 bis 150 Windungen aus dickem Kupferdraht. Die Sekundärwicklung besteht aus 30.000 bis 50.000 Windungen aus dünnem Draht. Der Minuspol der Sekundärwicklung ist oft mit dem Minuspol der Primärwicklung verbunden, und der Pluspol führt zum Hochspannungsanschluss.

Bei Einzelfunkenzündspulen (Coil-on-Plug), die direkt auf die Zündkerze gesteckt werden, ist der Aufbau komplexer. In ihnen ist oft eine Diode integriert, um Einschaltströme zu unterdrücken, und die Hochspannung wird über einen Federkontakt direkt an die Kerze geleitet.

Doppelfunkenzündspulen liefern gleichzeitig einen Funken an zwei Zylinder (ein Funke ist der Arbeitsfunke, der andere erfolgt im Auslasstakt).

Der wichtigste Parameter für eine Basisdiagnose ist der elektrische Widerstand der Wicklungen. Bei einer intakten Spule beträgt der Widerstand der Primärwicklung üblicherweise 0,5 bis 3,5 Ohm und der Sekundärwicklung 6 bis 15 kOhm (die Werte variieren je nach Fahrzeugmodell). Zeigen die Messungen mit dem Multimeter starke Abweichungen, ist das Bauteil defekt.

Prüfung der Zündspule

Anzeichen für Defekte

Charakteristische Symptome für Probleme mit der Zündanlage sind:

  • Der Motor läuft unrund („läuft nur auf drei Zylindern“), das Problem verschlimmert sich mit der Zeit;
  • Zündaussetzer bei kaltem Motor oder feuchtem Wetter;
  • Leistungsabfall („Verschlucken“) beim abrupten Gasgeben;
  • Aufleuchten der Motorkontrollleuchte (Fehlercodes P0363 oder P0300–P0304).

Diese Anzeichen können auch auf defekte Zündkerzen hinweisen. Daher beginnt die Diagnose in der Regel mit der Prüfung der Kerzen, bevor man sich den Spulen widmet.

Ursachen für Ausfälle

  • Natürlicher Verschleiß und Überhitzung. Die Isolierung der Wicklungen altert und wird spröde, was zu einem Windungsschluss führen kann.
  • Feuchtigkeit und Schmutz. Das Eindringen von Wasser oder Streusalz verursacht Korrosion an den Kontakten und Kriechströme auf der Isolierung.
  • Vibrationen. Dies betrifft besonders Einzelfunkenzündspulen, die fest am Motorblock montiert sind.
  • Verschlissene Zündkerzen. Ein vergrößerter Elektrodenabstand bei alten Zündkerzen überlastet die Spule, da sie permanent am Limit arbeiten muss, was zu einem schnellen Ausfall führt.

Wie man die Zündspule prüft

Wir betrachten drei Prüfmethoden: von der einfachen Sichtprüfung bis zur instrumentellen Messung.

1. Der Funkentest (Sichtprüfung)

Die einfachste Methode, um eine komplett ausgefallene Spule zu identifizieren.

Achtung! Die Ausgangsspannung erreicht zehntausende Volt. Berühren Sie keine stromführenden Teile mit den Händen. Verwenden Sie eine Zange mit isolierten Griffen.
  1. Ziehen Sie das Zündkabel oder die Spule von der Zündkerze im Zylinder ab.
  2. Stecken Sie eine funktionstüchtige Zündkerze in den Kerzenstecker.
  3. Halten Sie das Metallgehäuse der Kerze (das Gewinde) gegen die „Masse“ des Motors (ein unlackiertes Metallteil).
  4. Bitten Sie einen Helfer, den Motor mit dem Anlasser zu starten.
  5. Beobachten Sie den Funken: Er sollte kräftig und hellviolett sein. Ein schwacher gelber Funke oder gar kein Funke deutet auf einen Defekt hin.

Wenn Sie Einzelfunkenzündspulen haben, ist die Prüfung durch „Quertausch“ einfacher: Tauschen Sie die Spule des betroffenen Zylinders mit einer Spule von einem funktionierenden Zylinder. Wandert der Fehler mit (der andere Zylinder setzt nun aus), ist die Spule defekt.

Einzelfunkenzündspulen

2. Prüfung mit selbstgebauter Funkenstrecke (Spritzen-Methode)

Der Test mit einer Zündkerze an der Luft ist nicht immer aussagekräftig: Für die Spule ist es leichter, den Luftspalt bei atmosphärischem Druck zu überbrücken als im Zylinder unter Kompressionsdruck. Um die Last zu simulieren, verwendet man eine Funkenstrecke.

Ein einfaches Prüfgerät lässt sich aus einer medizinischen Einwegspritze bauen: Schneiden Sie die Spitze ab und führen Sie zwei Drähte ein, die als Elektroden dienen. Der Abstand zwischen ihnen sollte verstellbar sein.

Das Prinzip: Wenn Sie die Elektroden in der Spritze auf 10–15 mm auseinanderziehen, sollte der Funke diesen Abstand immer noch überspringen. Dies entspricht etwa dem Durchschlag eines normalen Abstands (1 mm) unter Druck im Zylinder. Wenn bei kleinem Abstand ein Funke vorhanden ist, dieser aber bei Vergrößerung des Abstands verschwindet oder sehr dünn wird, hat die Spule vermutlich einen Windungsschluss und wird unter Last nicht funktionieren.

Trennen Sie bei dieser Prüfung unbedingt die Stecker der Einspritzdüsen, damit kein Kraftstoff in die Zylinder gelangt.

3. Widerstandsmessung der Wicklungen

Die genaueste Methode für Heimwerker ist die Prüfung mit einem Multimeter. Dabei werden die Widerstände der Primär- und Sekundärwicklung gemessen und mit den Werksvorgaben verglichen.

Suchen Sie vor der Messung die Sollwerte für Ihr Zündspulenmodell im Reparaturhandbuch. Außerdem benötigen Sie den Schaltplan (Pinbelegung), falls die Spule 3 oder 4 Anschlüsse hat.

Vorgehensweise:

  1. Stellen Sie das Multimeter auf Widerstandsmessung (Ohm) ein.
  2. Messen Sie die Primärwicklung. Dies sind meist die Kontakte „+“ und „-“ (oder der Steueranschluss). Normwert: 0,5...3,5 Ohm.
  3. Messen Sie die Sekundärwicklung (Hochspannung). Ein Messfühler kommt an den Hochspannungsausgang, der andere an Masse (oder an den zweiten Hochspannungsausgang bei Doppelfunkenzündspulen). Normwert: 6...15 kOhm.

Widerstandsmessung an der Zündspule

Interpretation der Ergebnisse:

  • Widerstand niedriger als die Norm: Es liegt ein Kurzschluss (Windungsschluss) in der Spule vor. Sie überhitzt und liefert einen schwachen Funken.
  • Widerstand unendlich (Unterbrechung): Der Draht in der Spule ist gerissen, es wird kein Funke erzeugt.

Wenn Sie moderne Einzelfunkenzündspulen mit 3–4 Kontakten (mit integrierter Endstufe/Transistor) prüfen, ist die Messung des Primärkreises mit einem normalen Multimeter schwierig – hier ist die genaue Pinbelegung erforderlich, um die Elektronik nicht zu beschädigen. In solchen Fällen ist der Quertausch der Spulen die sicherere Methode.

Diagnose mit dem Oszilloskop

Die professionellste Methode. Das Oszillogramm zeigt die Arbeit der Spule in Echtzeit. Charakteristische „ausschwingende Wellen“ am Ende der Brenndauer des Funkens zeugen von einer intakten Baugruppe. Fehlen diese Schwingungen oder hat die Kurve eine falsche Form, liegt oft ein Windungsschluss vor. Mit dieser Methode lassen sich auch sporadische Fehler finden.

Bei Feststellung eines Defekts muss die Zündspule ausgetauscht werden. Eine Reparatur ist nicht möglich.

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