Überholung des Lenkgetriebes beim Audi 100
Am Lenkgetriebe des Audi 100 trat eine Undichtigkeit auf. Dies ist eines der Anzeichen für einen Defekt des Bauteils, weshalb ein Reparatursatz beschafft und eine Instandsetzung durchgeführt wurde: Zerlegung, Schadensanalyse, Überholung und Zusammenbau.
Um das Lenkgetriebe selbstständig zu reparieren, benötigen Sie:
- Reparatursatz (z. B. 443498020A);
- 2 Liter Hydrauliköl für die Servolenkung (G002 oder Analoga, z. B. Febi 6162);
- einen neuen Faltenbalg (Lenkmanschette).
Werkzeuge:
- Innensechskantschlüssel (Inbus) 6 mm;
- Steckschlüssel-Satz mit Verlängerungen;
- Durchschlag / Dorn;
- Schlüssel SW 10 und 13;
- Hammer;
- Reinigungsbenzin (zum Spülen);
- Putztücher.
Der Ausbau des Lenkgetriebes aus dem Fahrzeug ist keine große Hürde, eine vollständige Instandsetzung (Zerlegen, Spülen, Dichtungswechsel und Zusammenbau) hingegen deutlich anspruchsvoller. Dieser Fotobericht hilft dabei, die Details des Prozesses zu verstehen.
Das Lenkgetriebe aus dem Fahrzeug ausbauen. Bei Undichtigkeiten ist es meist stark verschmutzt. Wenn möglich, sollte es vor der Zerlegung gründlich gereinigt werden (z. B. Hochdruckreiniger/Chemie).
Mit einem 6er-Inbus die Befestigungsschrauben der Hydraulikleitungen lösen. Oft sind die Köpfe dieser Schrauben rundgedreht (wie in diesem Fall), dann müssen Meißel oder Rohrzange zu Hilfe genommen werden.
Nach dem Entfernen der Leitungen die Schellen lösen und den Faltenbalg abnehmen. Das Lenkgetriebe vollständig reinigen, falls dies nicht zuvor geschehen ist. Die Öffnungen für die Leitungen vorab mit sauberem Stoff verschließen.
Durch die Öffnung an der Stirnseite (vorgesehen für die Montage an der Karosserie) den inneren Zylinder mit einem Durchschlag oder Schraubendreher und leichten Schlägen etwas aus dem Gehäuse treiben und anschließend herausziehen.
Die Mutter lösen, die den Kolben auf der Zahnstange fixiert.
Den Kolben entnehmen. Darauf achten, dass auf beiden Seiten Unterlegscheiben positioniert sind.
Die Schrauben des Deckels vom Druckstückmechanismus herausdrehen.
Feder, Anlaufscheibe, Klemmring und Druckstücke entnehmen.
Die Position der beiden Gehäusehälften zueinander mit einem scharfen Werkzeug markieren (rote Pfeile). Die vier Verbindungsschrauben der Hälften lösen.
Die Gehäusehälften trennen und die Zahnstange herausziehen.
Im Gehäuse ist eine Hülse mit dem Dichtring eingepresst, diese muss herausgeschlagen werden. Dazu einen passenden Durchschlag wählen, der durch die Öffnung passt (roter Pfeil), aber auf dem Dichtringrand aufliegt (grüner Pfeil). Eine passende Stecknuss aus dem Werkzeugkasten eignet sich oft gut dafür.
Die Dichtungseinheit: Hülse, alter Simmerring, neuer Simmerring.
Die zwei Schrauben des Steuergehäuses (Ventileinheit) lösen.
Das Gehäuse abnehmen, dabei auf die Unterlegscheibe achten.
Die Steuerventileinheit (Zolltrieb) herausnehmen.
Den Simmerring (er ist leicht eingepresst) und den O-Ring entfernen.
Den Simmerring mit einem passenden Dorn aus dem Gehäuse pressen.
Das Lenkgetriebe im komplett zerlegten Zustand.
Inhalt des Reparatursatzes.
Den neuen Simmerring aus dem Satz mit einem passenden Werkzeug in das Ventilgehäuse einpressen.
Den neuen Dichtring von Hand in das Gehäuse des Lenkgetriebes einsetzen, den O-Ring gegen einen neuen tauschen.
Drei Gummiringe und einen Kunststoffring am Zylinder des Lenkgetriebes wechseln.
Zwei O-Ringe auf der Zahnstange unter der Buchse erneuern. Weist die Buchse der Zahnstange starken Verschleiß auf, kann dies die Ursache für Klappergeräusche sein. In diesem Fall muss die Buchse ersetzt werden (ZF-Teilenummer 7847035106).
Zum Einpressen und Verstemmen der Dichtungshülse im Gehäuse wird ein langer Körner benötigt. Dieser kann aus einem langen Schraubendreher hergestellt werden (Griff entfernen, Spitze anschleifen). Beim Schleifen darauf achten, die Spitze nicht zu überhitzen, damit der Stahl seine Härte behält.
Hier sind die Stellen im Gehäuse zu sehen, an denen werksseitig die Verstemmung erfolgte.
Neuen Simmerring aus dem Satz nehmen und in die Hülse einsetzen.
Um die Dichtungseinheit an ihren Platz zu bringen: Zahnstange in das Gehäuse stecken. Die Dichtungseinheit auf die Zahnstange schieben, dabei reichlich mit Hydrauliköl schmieren (vorsichtig arbeiten, um die Dichtlippe nicht zu beschädigen). Mit einem Rohrstück die Einheit in das Gehäuse pressen.
Zahnstange herausziehen. Das Gehäuse an den drei werksseitigen Punkten (grüne Pfeile) mit dem angefertigten Werkzeug neu verstemmen. Zur Sicherheit kann an drei weiteren Punkten (rote Pfeile) zusätzlich verstemmt werden.
Die Zahnstange (gut geschmiert) wieder in das Gehäuse einführen, Kolben mit Scheiben montieren. Die Mutter unter Verwendung von Schraubensicherung festziehen.
Den Zylinder in das Gehäuse einsetzen.
Den O-Ring am Gehäuse erneuern.
Verzahnung der Stange und die Schnecke fetten. Es wird empfohlen, das Originalfett AOF06300004 oder spezielle Analoga für Lenkgetriebe zu verwenden. Herkömmliche Mehrzweckfette sind für diese Belastungen nicht ausgelegt und sollten vermieden werden.
Den Druckstückmechanismus zusammenbauen. O-Ring aus dem Satz verwenden. Wenn das Lenkgetriebe Geräusche gemacht hat, sollten die Druckstücke (links im Bild, Nr. 30 im Schema) ersetzt werden – die Kunststoffscheiben darauf verschleißen. VAG-Nummer 443419148. Bei der Montage dasselbe Spezialfett verwenden.
Die zuvor markierten Stellen am Gehäuse zur Deckung bringen. Die Verbindungsschrauben der Hälften unter Verwendung von Schraubensicherung eindrehen.
Neuen Faltenbalg mit Schellen bereitlegen (im Bild Lemförder 3012001, kommt im Set mit zwei Schellen). VAG-Teilenummer: 43141983.
Den Faltenbalg aufziehen, den korrekten Abstand zur Buchse einhalten und die Schellen befestigen.
Die Leitungen wieder anschrauben, dabei die Dichtringe gegen neue aus dem Satz tauschen.
Schema aus dem ZF-Katalog. Rot unterstrichen sind die Teile des Reparatursatzes ZF 7847633009. Original VAG-Reparatursatz: 4A1498020 (für Servotronic: 4A1498020A).
Wichtig: Bei dieser Überholung wurden die Teflonringe von Ventil und Kolben (Nr. 15, 16, 87, 88) nicht gewechselt. Da es sich um Kunststoffringe handelt, sind zur Montage spezielle Dehn- und Kalibrierwerkzeuge (Konusse) nötig. Ohne Spezialwerkzeug ist ein beschädigungsfreier Wechsel kaum möglich.
War diese Anleitung hilfreich?
Ihr Feedback hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.
Ähnliche Materialien
Diskussion (0)
Noch keine Kommentare!